Adsense-Konto kurz vor der Auszahlung deaktiviert

27. September 2011 | 10 Kommentare

Bei Google Adsense stellt man Anzeigeplätze auf seiner Webseite zur Verfügung und wird für Klicks auf diese Anzeigen bezahlt. Hat man am Ende des Monats über 70 € zusammen wird dieser Betrag dann ausgezahlt.
Leider kommt es immer wieder vor, dass Seitenbetreiber kurz vor dieser Auszahlung ohne echte Begründung raus geworfen werden.
Einen dieser Fälle möchte ich hier schildern. Der Betroffene ist ein mir bekannter Webmaster, der aus Angst vor Sanktionen nicht genannt werden möchte.

Mein Bekannter ist schon seit einiger Zeit bei Adsense angemeldet. Den Werbecode hatte er auf mehreren Seiten eingebaut.
Durch ein weiteres Projekt gelang es ihm, die Einnahmen im September deutlich zu erhöhen, vorher gab es nur kleinere Beträge. Mit insgesamt über 170 € kam er zum ersten Mal über die Auszahlungsgrenze.
Bevor er allerdings in den Genuss kam, dieses Geld zu erhalten, wurde sein Adsense-Konto ohne vorherige Warnung von Google deaktiviert.
Folgende (Standard-)Mail flatterte in sein Postfach:

Sehr geehrte AdSense-Kundin, sehr geehrter AdSense-Kunde,

nach Prüfung unserer Unterlagen sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass
Ihr AdSense-Konto in Bezug auf ungültige Aktivitäten ein Risiko darstellt.
Da wir dem Schutz unserer AdWords-Inserenten vor übermäßigen Kosten
aufgrund ungültiger Aktivitäten verpflichtet sind, haben wir Ihr
AdSense-Konto deaktiviert. Das verbleibende Kontoguthaben sowie der
Einnahmeanteil von Google werden den betroffenen Inserenten
zurückerstattet.

Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, um die Effizienz des
Anzeigensystems von Google und insbesondere das positive Verhältnis
zwischen Inserent und Publisher auch weiterhin zu gewährleisten. Wir sind
uns der Ihnen möglicherweise entstandenen Unannehmlichkeiten bewusst und
bedanken uns im Voraus für Ihr Verständnis und Ihre Mitarbeit.

Bei Bedenken oder Fragen zu diesen Maßnahmen sowie für Informationen über
ungültige Aktivitäten oder darüber, wie Sie Einspruch gegen diese
Entscheidung erheben können, rufen Sie … auf.

 
Interessant hierbei ist die schwammige Formulierung „ungültige Aktivitäten“.
Darunter könnte Klickbetrug genauso wie Animierung der Besucher zum Klicken oder alles andere fallen.
Auf Nachfrage versicherte mir der betroffene Webmaster, dass er weder zum Klicken aufgefordert habe noch selbst auf die Anzeigen geklickt hätte.
Warum auch? Die Einnahmen stiegen doch an.
Selbstredend hat er Einspruch eingelegt, aber wenn man sich im Netz nach ähnlichen Fällen umsieht, dann weiß man, das sowas kaum Chancen auf Erfolg hat.
In den meisten Fällen gibt es nicht mal mehr eine Antwort von Google.

Kleinere Seiten benötigen recht lange, um die Auszahlungsgrenze bei Google Adsense zu erreichen. Viele Webmaster arbeiten einige Monate auf dieses Ziel hin.
Um so größer ist dann die Enttäuschung, wenn plötzlich das Adsense-Konto ohne ersichtlichen Grund deaktiviert wird.
Dies geschieht aber auffallend oft.

Sicherlich ist das eine oder andere Konto zu recht gesperrt worden, aber es kann doch niemand ernsthaft behaupten, dass all die kleinen Seitenbetreiber monatelang auf ihre erste Auszahlung hinarbeiten um dann Klickbetrug zu begehen.
Warum wartet Google mit der Überprüfung, bis jemand die Auszahlungsgrenze erreicht? Wieso wird nicht vorher kontrolliert?
Und seien wir mal ehrlich: jeder noch so kleine Werbeanbieter oder Vermarkter filtert ungültige Klicks einfach raus.
Ausgerechnet der alles beherrschende Internetgigant Google bekommt sowas nicht hin?
Zweifel dürften hier angebracht sein.

Im Hinblick auf die riesigen Umsätze von Google klingt es fast schon höhnisch, wenn beim Adsense-Konto eines kleinen Webmasters von „Risiko“ gesprochen wird.
Droht dem Konzern eine Pleite, wenn jemand innerhalb von einem halben Jahr rund 200 € verdient, wovon vielleicht ein paar Klicks ungültig waren?
Wohl kaum.

Mein Bekannter ist kein Einzelfall. Immer wieder hört und liest man davon.
Seltsamerweise gibt es aber im Netz zahllose Seiten, die offen gegen die Adsense-Richtlinien verstoßen und damit jahrelang durchkommen.
Bei manchen Seiten wird sogar öffentlich dazu aufgefordert, auf die Werbeanzeigen zu klicken. Schauen sich die Google-Experten die Seiten nie an?
Erhöht das etwa die „Effizienz des Anzeigensystems“?

Sollte Google hier nicht mit zweierlei Maß messen, dann hieße das doch im Umkehrschluß, dass man durch ständiges Klicken auf die geschalteten Anzeigen jeden Webmaster aus dem Adsense-Programm kicken könnte.
Hier muss Google unbedingt mehr Transparenz rein bringen und den Seitenbetreibern bei der Aufklärung helfen.
Niemandem nützt so eine Standardmail, die nur lapidar von „ungültigen Aktivitäten“ spricht.
Anstatt z.B. die IPs der Vielklicker zu sperren wird einfach das Adsense-Konto des Betroffenen deaktiviert.

Sobald ich Neues erfahre, werde ich darüber berichten.