Die künstliche Aufregung um den Datenskandal bei Facebook

von 27. März 2018Internet0 Kommentare

Die Firma Cambridge Analytica soll sich mittels einer App Zugriff auf 50 Millionen Profile auf der Socialmedia-Plattform Facebook verschafft haben. Diese Daten wurden ausgewertet und für den letzten US-Wahlkampf missbraucht.
Definitiv ein Skandal – so weit so gut. Natürlich müssen nun die Regierungen und vor allem Facebook handeln.
Es geht um Datenschutz und Sicherheit im Internet.
Aber… ist die Aufregung nicht übertrieben? Konnte man nicht damit rechnen, das sich irgendwann jemand an dem gewaltigen Pool an Daten bedient?

Facebook ist nicht das einzige Unternehmen, das Unmengen an zum Teil persönlichen Daten sammelt.
Das ist bekannt, das weiß man. Egal, ob einfacher Benutzer oder Regierungsangehöriger.
Trotzdem wurde nichts unternommen – warum also jetzt dieser gewaltige Aufschrei?

Zugegeben: auch ich habe einen Account bei Facebook.
Allerdings findet man dort nichts an verwertbaren Informationen oder gar Bilder.
Ich markiere niemanden, ich teile nichts.
Die eingeblendete Werbung und Freundschaftsvorschläge wirken daher wohl auch eher skurill als passend.

Nimmt man sich aber mal die Zeit, um sich ein paar Profile anzuschauen wird einem bewußt, warum diese Daten so wertvoll sind.
Viele Benutzer veröffentlichen auf Facebook ihr ganzes Leben. Neben einem fast lückenlosen Lebenslauf findet man dort sowohl tagesaktuelle Fotos sowie Bilder aus der Kindheit und/oder Jugend.
Damit Facebook die Gesichtserkennung nicht einsetzen muss, markieren viele direkt andere Personen auf den Bildern.
Dazu wird jeder Shop, jedes Restaurant und alles gelikt oder bewertet.

Na und, werden jetzt viele denken. Macht doch (fast) jeder.
Genau… denkt aber mal einen Schritt weiter. Ah, okay. Da fällt bei einigen vielleicht der Groschen.
Kostenlos und frei Haus liefern die User ein vollständiges (Bewegungs-)Profil.
Wann war ich wo, was habe ich wann gegessen und wo kaufe ich zu welcher Zeit ein. Was gefällt mir, was nicht.
Und wer WhatsApp verwendet liefert dem Mutterkonzern Facebook noch mehr Infos.

Das soll natürlich keine Ausrede dafür sein, das sich irgendwelche dubiosen Firmen die Taschen mit dem Verkauf dieser Daten voll stopfen.
Sowas darf nicht passieren. Die entsprechenden Unternehmen gehören meiner Ansicht nach sofort dicht gemacht und die Verantwortlichen hinter Schloss und Riegel.

Der frühere Justizminister Heiko Maas setzte durch, das bestimmte Postings innerhalb kürzester Zeit entfernt werden müssen. Facebook reagiert seit dem überempfindlich und löscht praktisch alles, was gemeldet wird, ohne lange Überprüfung.
Aber – auch Herr Maas kümmerte sich nicht wirklich um den Schutz der teils sensiblen Daten, die arglose Benutzer auf der Plattform veröffentlichen.
Die Politik wartete erneut so lange, bis man zum Handeln gezwungen wird.

Neben der Politik und den Usern muss man auch Facebook in Form von Gründer Mark Zuckerberg deutliche Vorwürfe machen.
Es werden Millionen und Abermillionen mit dem sozialen Netzwerk verdient. Hätte man da nicht einen Teil davon in die Sicherheit stecken können?
Oder anders gefragt, hat es dieser milliardenschwere Konzern überhaupt nötig, die Daten seiner Benutzer an zwielichtige Unternehmen zu verscherbeln?

Tja, manche kriegen den Hals nicht voll.
Aber bitte, liebe User, Politiker und Medien: hört auf, euch künstlich darüber aufzuregen.
Der Missbrauch dieser Daten ist ein Riesenskandal. Allerdings einer, der früher oder später genau so kommen mußte.
Und wer weiß, vielleicht wurden solche Datenmengen schon eher verkauft oder abgegriffen – nur wurde dies bisher nicht bekannt.